Freitag, 15. Dezember 2017

Justine privat - Ich will kein schlechter Mensch mehr sein


Es ist einer dieser Tage. Meine Gedanken überschlagen sich und formen unfreundliche Wege, auf denen mein schlechtes Gewissen in ausschweifenden Schlangenlinien laufen kann.
„Findest du nicht, dass du etwas zu hohe Ansprüche an dich selbst hast?“, fragt er und sieht mich von der Seite aus an. Ich mag ihn. Aber wirklich hilfreich ist er in dieser Situation nicht. Es ist für mich immer schwer, anderen zu erklären wo mein schlechtes Gewissen herkommt. Die meisten Menschen denken nicht halb so viel nach wie ich. Dennoch spüre ich das erwartungsvolle Augenpaar, dass noch immer auf mir ruht. 
Ich versuche allerdings nicht auf diesen Blick zu reagieren. „Wenn ich keine Ansprüche an mich selbst stelle, kann ich das wohl kaum von anderen Menschen um mich herum erwarten“, antworte ich etwas grimmig und rutsche auf meinem Stuhl hin und her. Dieses Thema ist mir unangenehm. Nicht, weil ich nicht gerne rede. Das mache ich eigentlich immer. Oft zu laut. 
„Ja, aber du musst dich mit der Tatsache abfinden, dass du nicht die ganze Welt retten kannst. Selbst wenn du es möchtest.“
„Ich habe mir kein Cape umgehängt - ich versuche nur meinen Konsum von Dingen zu reduzieren, die dafür verantwortlich sind, dass Andere leiden.“
„Ja, und das ist toll. Aber du setzt dich so sehr unter Druck, dass ich mir Sorgen mache.“
„Mach dir lieber um unseren Planeten sorgen, statt um mich.“
„Mit dem Planeten kann ich aber aktuell nicht reden.“
„Nein, aber ich setzte mich nicht zu sehr unter Druck. Ich bin es nur leid ein schlechter Mensch zu sein.“
„Du bist kein schlechter Mensch.“
„Jetzt gerade vielleicht nicht, aber ich habe eine ganze Reihe von schlimmen Dingen getan. Ich war feige, egoistisch und eine Person um die man besser einen gewaltigen Bogen macht. Aber jetzt bin ich das nicht mehr. Ich bin besser geworden - und ich habe einfach Angst.“

Mittwoch, 13. Dezember 2017

5 faire Geschenkideen

Inzwischen ist es wieder so weit - alle rasten aus und prügeln sich in den Innenstädten um die schönsten Geschenke. Da es für mich und meine Liebsten allerdings herzlich wenig in den herkömmlichen Läden gibt, kann ich mich entspannen. 
Ja, ich gebe es zu: Ich bin eine von denen, die ihre Weihnachtsgeschenke schon übers Jahr verteilt einkaufen oder sich zumindest Notizen machen. Doch heute geht es nicht um die Planung, sondern um die Ideen im Allgemeinen. 
Ich bin mit fast sicher, dass nicht nur ich in einem moralischen Dilemma stecke. Weihnachten ist das Fest des Konsums, ich selbst möchte genau gegen diesen Überkonsum etwas tun. Wie mache ich das also, ohne das alle um mich herum nur "Öko" Geschenke bekommen?
Ihr werdet es erfahren ...



1. Menstruartionstassen 

Ich bin ein Fan von Dingen, die man oder in diesem Fall Frau, braucht. Nichts ist für mich selbst schlimmer, als Dinge zu bekommen, die dann vor sich hinstehen, ohne Beachtung zu finden. Weil ich außerdem auch ein großer Freund von Nachhaltigkeit bin, habe ich mir angewöhnt all meinen Freundinnen, die noch keine Tasse benutzt haben, eine zu schenken.
 Dabei ist es egal ob Weihnachten, Ostern oder zum Geburtstag. 
Viele scheuen sich davor, den Tassen eine Chance zu haben. Immerhin kosten die guten Modelle auch etwas mehr, als eine 100er-Packung Tampons. Natürlich "traut" sich das nicht jeder. Doch bisher kamen die kleinen bunten Tassen als Geschenk immer bestens an!

Eine tolle Auswahl an Tassen findet Ihr hier: http://www.erdbeerwoche.com/

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Meckermittwoch - Generation V

"I wanna taste love and pain
Wanna feel pride and shame
I don't wanna take my time
Don't wanna waste one line
I wanna live better days
Never look back and say
Could have been me
It could have been me"
THE STRUTS - Could Have Been Me

Wir sind nicht die Generation XYZ, sondern V - wie verkackt. 
Wir wissen nicht was wir wollen, wir können keine "normale " Beziehung führen und ohne ein Smartphone geht absolut nichts mehr. Wir wissen nichts mehr, wir googeln nur noch. Statt eine Sprache neu zu lernen, benutzen wir den Online Übersetzer. Wir gehen nicht mehr auf Demos, sondern lieber feiern und schaukeln uns die Eier(stöcke) während wir auf Twitter und Instagram rum motzen wie beschissen die Gesellschaft doch ist. 
Wir sind Verlierer.
Wir haben uns selbst verloren und beschuldigen die letzten Generationen, dass es ihre Schuld sei. Kiffen ist unser neuer Nationalsport, wir sind gut darin. Die großen Philosophen dieser Welt, die untätig in den Badewannen Fremder liegen und in ihrem eigenen Erbrochenen die Zukunft sehen. 

Sonntag, 3. Dezember 2017

Ja, meine Freundin hat abgetrieben - und ich wollte das Kind

Dieser Gastpost ist etwas ganz anderes. 
Denn dieses Mal ist es ein Erfahrungsbericht von der anderen Seite. 
Eric* (Der Name wurde auf Wunsch geändert) kam auf mich zu und bat mich, seine Geschichte erzählen zu dürfen. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich lange überlegt habe. Zum einen hatte ich Angst, dass dieser Post in die Richtung „Die böse Frau hat mein Kind umgebracht“ geht. Auf der anderen Seite wollte ich natürlich auch gerne einmal den Blickwinkel des Mannes beleuchten. Doch bevor ich weiter große Reden schwinge, lass ich einfach Eric zu Wort kommen:



Meine Freundin stand weinend vor mir. 
In ihrer Hand hielt sie den Schwangerschaftstest. Das Plus schien mir regelrecht entgegen zu leuchten. An dieser Stelle muss ich mir wohl eingestehen: ICH WAR SCHULD. 
Wir waren gerade um die 2 Monate zusammen - und eigentlich taten wir nichts anderes als übereinander herzufallen. Bisher war also nicht von Familienplanung zu reden. Trotzdem hatte ich mich recht schnell geweigert Kondome zu benutzten. 
Ich mag die Dinger einfach nicht und in den letzten 26 Jahren war ich in jeder längeren Beziehung mit Pille und „Ich zieh ihn vorher raus“ gut klar gekommen. Doch in diesem Moment war mir bewusst, dass ich es war der ihr eingeredet hatte, dass nichts passieren konnte. 
Trotzdem es völlig ungeplant und schlecht in meinen Zeitplan passte, war mir schon jetzt klar, dass ich gerne Vater werden würde. 
Meine Freundin sah das ganz anders. Ich habe wirklich versucht sie nicht zu bedrängen und ihr nicht zu sagen was sie tun soll, dennoch durfte ich zum Arzttermin nicht mitkommen. Sie wollte es nicht. Vielleicht hatte sie Angst, dass ich dem Arzt sagen würde, dass ich das Kind wollte. Ich weiß es nicht und es ist auch egal.
Sie war in der fünften Woche. 
Als sie zu mir kam, gab sie mir das Ultraschallbild und ich spürte sofort, dass diese kleine Wesen ein Teil von mir war. Von uns Beiden. 
Aber sie konnte diese Gefühle nicht verstehen. Für sie war es eine einzige Horrorshow. Tagelang weinte sie, übergab sich und sagte immer wieder wie dumm sie war. Dabei war ich ja eigentlich der Schuldige. 
Wir diskutierten viel.
Ich sagte ihr all die Dinge von denen ich dachte, dass Frauen sie in solchen Situationen hören sollten:

Ich werde dich mit dem Kind nicht alleine lassen. 
Ich stehe zu dir, egal wie du dich entscheidest.
Ich werde dich nicht verurteilen. 

Freitag, 1. Dezember 2017

Justine privat - Arschlochmagnet

Haare: Alle Blautöne die ich noch hatte
Make-up: Kate von D + Sleek
Pulli: Kleiderkreisel 

Eines der Dinge, die sich permanent durch mein Leben ziehen, sind Arschlöcher. Klingt hart, ist aber so. Von allen Ecken scheinen sie sich auf mich zu stürzen, manchmal sehr offensichtlich und manchmal heimtückisch mit guter Miene.
Ersteren kann ich inzwischen immerhin halbwegs ausweichen. Ich habe mir selbst eine strikte "Die Person zieht mich runter, also darf sie sich verpissen"-Diät auferlegt. Das führte zwar in der ersten Zeit zu seltsamen Gedanken und sorgte auch für verschiedene Streitgespräche, zahlte sich aber am Ende aus. Mit der Handvoll guten Freunden komme ich wesentlich besser zurecht. Spart außerdem nicht nur Nerven, sondern auch kostbare Lebenszeit. Na, immerhin etwas, oder?
Meine Psychologin meinte dazu kopfschüttelnd, ich sei noch immer zu sehr darauf fixiert in den vermeintlich guten Menschen auch das Positive sehen zu wollen. Unrecht hat sie damit wohl nicht, ich erwiderte dann jedoch gerne, dass ich ja nun einmal auch nicht perfekt bin und eben selbstreflektierend bleiben muss.
Da fing sie tatsächlich an zu lachen und meinte, wenn ich das noch mehr tun würde, hätte ich keine Zeit mehr zum Atmen. Ich solle weniger reflektieren und mich nicht so sehr in Sorge um Menschen begeben, die ganz offensichtlich nichts dafür zurückgeben.
Klingt ja eigentlich ganz einfach, jedoch hängt es wie immer an der Umsetzung. Prinzipiell habe ich eine Engelsgeduld mit Menschen und verzeihe recht viel – ich bin schließlich selbst nicht gerade einfach und habe mehr als nur einen Fehler an mir. Wenn es mir jedoch reicht, dann ist erstmal nichts mehr mit netten Worten oder generell Kontakt. Leider lasse ich mich dennoch nach einer gewissen Zeit immer wieder auf „klärende“ Gespräche ein. Meist mit dem Ergebnis, dass ich auf mich selbst wütend bin, da ich mir diese Mühe hätte sparen können. Denn hier habe ich mal wieder wertvolle Zeit verschwendet. So ganz habe ich es mit dem "Aussortieren" der Menschen um mich herum also noch nicht raus.
Auch da ist meine Psychologin recht eisern. Einmal Ende, immer Ende. Egal, wie egoistisch es nach außen wirken mag.
Klingt ebenfalls gut, aber wie umsetzen?

Sonntag, 26. November 2017

Ja, ich habe abgetrieben - Eine Bloggerin erzählt ihre Geschichte

Es ist schon etwas her, dass ich meinen eigenen Post zum Thema Abtreibung veröffentlicht habe. Wie viele Leser bereits aus den Facebook Kommentaren wissen, war das Ganze eigentlich als "Blogger-Parade" gedacht. 
Ganz in dem Sinne, Frauen in dieser Situation zu helfen und ihnen zu zeigen, dass sie nicht alleine sind. Viele Bloggerinnen wollten oder konnten jedoch nicht den Weg über ihren eigenen Blog gehen. 
Eine von ihnen ist Ina. 
Ich bin ehrlich: Ihr Gast-Post hat mich zu Tränen gerührt ... 


In Liebe deine Mama
Nach all den Jahren stehe ich nun hier und fühle mich genauso machtlos. Ich spüre wie meine Beine versagen und ich habe keine Chance stehen zu bleiben. Ich spüre wie schwere Tränen zu Boden fallen. Ich gebe mich dem hin und lass den Schmerz passieren. Ich knie hier an deinem Grab und hoffe, auch du kannst mir irgendwann verzeihen. Ich kann es nun und hoffe es geht dir gut mein kleiner Engel. In Liebe deine Mama.

Ein paar Tage überfällig
Ein ganz normaler Sommertag sollte mein Leben von Grund auf verändern. Natürlich wusste ich noch nichts davon, ich hatte nur so eine Ahnung. Meine Brüste taten mir weh und nach meiner Berechnung war ich seit zwei Wochen überfällig und meine Laune schwankte mehr als so manches Boot bei starkem Seegang.
Nur wenige Stunden später hielt ich einen positiven Schwangerschaftstest in meiner Hand. Ich wusste nicht, ob ich weinen oder mich freuen sollte. Ich war mit meinem Freund erst knapp über ein Jahr zusammen und ich wusste nicht, ob ich dafür überhaupt schon bereit bin. Wie sollte ich meinem Partner diese Nachricht überhaupt überbringen? Zusätzlich war ich auch erst seit  knapp über einem Jahr bei meinem Arbeitgeber. Die Gedanken überrollten mich und ich begann zu weinen.

Es wird sich eine Lösung finden

Eine Weile später fuhr ich zu meinem Freund, ich musste ihm Bescheid sagen, dass ich schwanger bin und sich alles ändern wird. Wie sagt man so etwas? Wie wird er reagieren? Ist er denn dafür überhaupt bereit? Sind WIR es denn? Nach dem er die Tür öffnete polterte es direkt aus mir heraus: "Ich bin schwanger, was machen wir denn jetzt"
Tatsächlich beruhigte er mich sofort. Es wird sich eine Lösung finden und wir bekommen das schon hin. Das war der Moment, in dem sich Freude breit machte. Wärme füllte mein Herz und ich war erleichtert. Auf einmal verließen mich all meine Ängste und in meinem Kopf war noch Platz für unser Baby.

Mit dem Fötus stimmt etwas nicht

Endlich kam er, der Tag der ersten Vorsorgeuntersuchung. Freudestrahlend marschierte ich in die Praxis und das erste Mal in meinem Leben konnte ich es kaum erwarten, auf "diesen" Stuhl zu steigen. Die Untersuchung begann und nur ein Blick schaffte es, dass meine Freude in bittere Angst umschlug. Ich fühlte mich noch nie so nackt in meinem Leben. Ausgeliefert. Hilflos. Machtlos. Dann traf mich dieser eine Satz, "mit dem Fötus stimmt etwas nicht, ich überweise Sie an einen Spezialisten". Die nächsten Minuten war ich unfähig gegen meine Tränen anzukämpfen und ich verließ schluchzend die Praxis mit einer Überweisung zur Feindiagnostik.

Freitag, 10. November 2017

Justine privat - Am Ende wird alles gut, vielleicht

Mütze, Shirt, Beutel: http://www.hangmanclothing.com/



Wer kennt sie nicht? 
Diese Momente, in denen einfach nichts so klappt, wie man es sich gewünscht hat. Man wird immer wieder an den Rand der Belastbarkeit gestoßen und hat Angst in eine Schlucht zu fallen, aus der man nicht wieder heraus kommt.
Ich hatte schon endlos viele dieser Momente – manchmal sogar ganze Wochen und Monate. 
Manchmal wusste ich nicht, wie ich meine Miete zahlen sollte oder woher ich etwas zu essen bekomme. Stundenlang habe ich mir den Kopf zerbrochen, wie ich meine Rechnungen zahlen soll – gerade nachdem meine Hündin die Behandlungen brauchte. 
An einigen Tagen bin ich einfach ins Bett gegangen ohne etwas zu essen, nicht gesund aber sparsam. 
Und am nächsten Tag habe ich einfach weiter gemacht. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.
Manchmal plagen einen Gedanken, einfach alles hin zu werfen und neu anzufangen. Doch ganz so einfach ist es nicht, oder vielleicht doch? Vielleicht ist es sogar zu einfach, alles stehen und liegen zu lassen, statt sich dem zu stellen? Ich bin jedenfalls noch immer hier, immer noch am Kämpfen. Das ist in Ordnung, denn ich kämpfe nicht alleine und nicht nur gegen mich selbst.

Sonntag, 5. November 2017

Tabubruch: Ja, ich habe abgetrieben.


Ich erinnere mich noch genau an dieses Gefühl. 
Mein Herz klopfte so schwer in meiner Brust, dass es wehtat. Ich wusste bereits, dass dieser Test das Gleiche anzeigen würde wie all die anderen. Aber ich klammerte mich verzweifelt an die Hoffnung, dass es nur ein Fehler war. Ein kranker Scherz des Universums. 
Aber das Plus erschien und auch meine Tränen der Wut konnten nichts daran ändern. Für mich stand die Entscheidung schon in den ersten 10 Sekunden fest. 
Ich wollte kein Kind. 
Eine einfache Tatsache. Ich war schwanger, aber ich würde es nicht bleiben. 
Nicht eine einzige Minute habe ich diese Entscheidung angezweifelt und das würde ich auch jetzt noch nicht tun. Kinder sind für mich keine Diskussion, die man führen kann. Es gibt nur zwei Ausgangslagen: Es bekommen oder nicht bekommen. 
Gleich nach diesem positiven Schwangerschaftstest übergab ich mich eine gute Stunde. Hormone sind schon etwas Feines. Danach informierte ich den Nicht-bald-Vater und rief beim meinem Gynäkologen an.
Ich wusste ganz genau, wie das Ganze ablaufen würde. Immerhin hatte ich meine Ausbildung in der Frauenheilkunde gemacht. Darum wusste ich auch, dass ich einen Termin bei Pro Famila machen musste. Das war der dritte Schritt. 
Danach saß ich einfach nur da. Ich zitterte am Ganzen Körper und verfluchte es, dass die modernen Verhütungsmethoden lange nicht so sicher sind, wie man immer glaubt. 99% klingt nach viel, aber nur, solange man selbst nicht zu dem 1% gehört. 
Einen Tag später saß ich im Wartezimmer. Mir war immer noch schlecht. Vor ein paar Minuten hatte ich noch gekrümmt an der Bahnhaltestelle gehangen und mich solange übergeben bis ich Sterne sah. Nicht nur dank der Hormone, sondern weil ich schon jetzt die Blicke spüren konnte. Ich wurde aufgerufen und eine Arzthelferin lächelte mich strahlend an. Na super.
Sie wedelte mit einem Mutterpass herum. Nachdem Sie mir Blut abgenommen hatte, sagte ich: „Den werde ich nicht brauchen, ich will das Kind nicht.“ 
Die gute Frau schien verwirrt. Ihr Lächeln war verschwunden. „Ich lasse den Pass in Ihrer Akte, vielleicht überlegen Sie es sich noch einmal anders.“ 
„Nein, das werde ich nicht. Ich bin nur hier, weil die Schwangerschaft vom Arzt bestätigt werden muss, bevor ich das Konfliktgespräch haben kann.“ 

Montag, 30. Oktober 2017

Happy Hallooween - The black book

Bild von: http://schnappschu.blogspot.de/

Das schwarze Buch


Da sitzt sie und starrt mich an.
Obwohl sitzen ist eigentlich das falsche Wort, denn Spinnen sitzen ja nicht im klassischen Sinne. Ein kalter Schauder durchfährt mich und ich muss mich zwingen, wegzusehen. Ich hasse Spinnen. Wie sie mit ihren haarigen Beinen über die Tapete gleiten, lautlos und klebrig ihre Netze verteilen und mich in den unpassendsten Momenten zum Ausrasten bringen.
Ich stehe seit mindestens fünf Minuten ohne Regung da und starre sie an, als hoffte ich darauf, dass ich sie alleine durch meinen panischen Blick getötet bekomme. Doch sie scheint nicht einmal zu wissen, dass ich da bin. Meinem Kopf ist durchaus bewusst, dass sie mir nichts Ernstes tun kann – nur leider schaffe ich es trotzdem kaum mich zu bewegen. Ich habe Angst, dass sie mir direkt ins Gesicht springt, sich den Weg durch meine Nasennebenhöhlen sucht und Eier legt, aus denen tausende dieser widerwärtigen Kreaturen schlüpfen.
Mit Logik hat diese Angst nicht zu tun.
Ich fluche lauthals, als das kleine Mistding sich bewegt. Im Normalfall würde ich schreiend zu meinem Freund rennen, doch das ist heute nicht möglich. Ich muss es alleine schaffen.
Mit zittrigen Fingern ziehe ich mir einen Schuh aus. Ich weiß nicht, wann genau es anfing, dass ich solche Panikattacken von Spinnen bekam. Mein Psychologe würde es sicherlich auf meine verkorkste Kindheit schieben. Ich versuche einen Schritt näher an das Ding heran zu kommen und sofort schießen mir Tränen der Panik in die Augen.
Ich muss nur einmal gezielt treffen, dann bin ich sie los. Mein Körper verkrampft sich schmerzhaft, und es kostet meine gesamte Überwindung, den Schuh, so schnell es geht, auf den Körper der Spinne zu drücken. Das Geräusch lässt mich würgen und ich taumle zurück, als hätte mich jemand gestoßen. Die Beine zucken noch an der Wand und mein Ekel wächst so sehr, dass ich mich auf meinem Wohnzimmerboden erbreche.
„Ich hasse Spinnen“, sage ich zu mir selbst und wische mir über den Mund. Das Monster ist tot und mein Herzschlag normalisiert sich wieder. Das muss er auch, denn die Zeit ist knapp. Ich atme ein paar Mal tief ein und aus, bevor ich mich wieder aufraffe. Etwas Stolz kommt in mir auf, denn immerhin habe ich es dieses Mal ganz alleine geschafft. Mein Psychologe wäre sicher begeistert. Den Schuh lasse ich dennoch liegen – noch bin ich nicht bereit, den zerquetschten Spinnenkörper von der Sohle abzukratzen.
Stattdessen ziehe ich auch den anderen Schuh aus und gehe in den Keller. Die Panik ist der Freude gewichen, denn nun wird mein Tag endlich spaßig. Während der Renovierungsarbeiten an diesem Haus kam ich unweigerlich auch mit den vollgepackten Kisten meines Freundes in Berührung. In einer von ihnen fand ich ein Buch, das mein Interesse erregte. Offenbar reiche ich ihm als Frau bei weitem nicht aus, denn er hat jeden seiner Seitensprünge liebevoll dokumentiert. Mit Bild, Beschreibung und ab und an sogar mit kleinen Details wie Rechnungen, Zimmerkarten oder Taschentücher mit Lippenstiftabdruck. Er hatte schon immer sehr viel Feingefühl.
Ich schalte das Licht an und setze mich auf den alten Ledersessel. „Wach auf Mikey, ich will endlich anfangen zu spielen …“, sage ich und trete mit dem Fuß nach der großen Metallbox. Ich höre ein Geräusch und muss mir das Grinsen verkneifen.
Von einer Sekunde auf die andere fängt er an zu schreien.

Freitag, 27. Oktober 2017

Justine privat - Supergirl and the evil wolf

Mütze: MotteKlamotte
Jacke: Bleed Organic Clothing 
Alles ist okay, höre ich mich sagen, ich habe mich verlaufen. Nicht zum ersten Mal in meinem
Leben und wahrscheinlich auch nicht zum letzten Mal. Ich bin falsch abgebogen auf einen Weg, den ich nie gehen wollte. Aber ich bin jetzt hier und muss wieder nach Hause finden. Es ist nicht leicht. Der große, böse Wolf macht mir falsche Versprechen und ich habe Angst.

Doch ich bin ein großes Mädchen und weine nicht. 

Es stimmt, ich bin verliebt und naiv.
Denn was kann an Liebe schon falsch sein? Was soll schief gehen, wenn man sich verliebt?
Ist nicht jede Liebe das Risiko wert, sich im Wald zu verlaufen? 
Es kann schon sein, dass nicht jeder meiner Schritte richtig war. Dass ich oft den Faden verloren habe und in Zeitverschwendung eine Gabe sah. Ich habe mich zu sehr ablenken lassen. Nicht nur vom bösen Wolf, auch von dem Korb den ich mit mir herumtrage. Ich habe zu viele Sorgen eingepackt. Zu viele Ängste. Zu viele Entschuldigungen, warum mein Leben nicht so verläuft wie es soll.


Nicht alle meine Entscheidungen waren sinnvoll, doch sie waren richtig. Haben mich zu einem Punkt gebracht und von dort zum nächsten. Fehler sind gemacht, lassen sich nicht ändern und sollten keine Tränen mehr kosten. 

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Meckermittwoch - Kinder? Nein, Danke.


„Oh, Eure Beziehung geht wohl in die nächste Phase – was plant ihr als Nächstes?“
Ich verziehe das Gesicht, als hätte ich in eine Zitrone gebissen und wölbe dann die Augenbrauen so hoch, dass sie sich fast an meinem Haaransatz stoßen. Es wäre untertrieben, zu behaupten, ich wäre kein Fan solcher Unterhaltungen. Sie kommen aus dem Nichts und beißen sich in den unpassendsten Momenten fest.
„Wie meinst Du das?“
Sie stemmt die Hände in die Hüften und sieht mich an, als wäre ich der dümmste Mensch auf Erden.
„Na, die Jüngste bist du ja nicht mehr, wird ja Zeit das du dich mal entscheidest!“
Wäre ich gerade dabei etwas zu Essen, hätte ich mich sicher verschluckt, aber ich starre sie nur verwirrt an. Ich weiß schon, warum ich es nicht mag, mit der Bahn zu fahren. Man läuft Gefahr Menschen zu treffen, die man kennt – und diese wollen sich meist auch noch unterhalten, obwohl man viel lieber lesen würde.

Justine privat - Ich will kein schlechter Mensch mehr sein

Es ist einer dieser Tage. Meine Gedanken überschlagen sich und formen unfreundliche Wege, auf denen mein schlechtes Gewissen in ausschw...